Forschung

 

Ethisches Handeln entspringt nicht aus Geboten, Verboten, dogmatischen Glaubenssätzen oder zweckrationalen Überlegungen. Ethisches Handeln entsteht durch Wachstum der eigenen Persönlichkeit. Auch Wettbewerb oder Konkurrenz sollte den Einzelnen nicht zum Handeln motivieren, sondern ein Handeln aus Einsicht zum Guten. Ein motiviert sein aus Freude am Wachstum an sich selbst, des Anderen und der Gemeinschaft. Ein Handeln aus einem gesicherten Selbst, ohne Angst. Dies ist das wahre Ethos einer Gemeinschaft.

Die moderne geisteswissenschaftliche Forschung hat einen beispiellosen Zugang zu esoterischem Wissen vieler Volksgruppen, Kulturen und Traditionen aus allen Teilen der Welt ermöglicht, wie z.B. das Buch der natürlichen Befreiung, bekannt als das „Tibetische Totenbuch“, Bhagavad Gita, indianisches Schamanenwissen, Buddhas Sutren, ursprüngliche „Christliche Lehren“, usw. Dieses Wissen zeigt uns den Weg zu außergewöhnlichen Fähigkeiten des menschlichen Potentials. Es verweist uns in die Richtung, in die sich die Menschheit zukünftig entwickeln wird. Wissenschaftliche Beweise belegen, dass dramatische Veränderungen von Körper und Geist unter den unterschiedlichsten Bedingungen geschehen können. Durch Jahrzehnte lange Forschung ist es uns gelungen, kulturelle Konditionierungen aufzudecken, die uns behindert haben metanormale Fähigkeiten zu entwickeln.


Das Ziel des EIFAE ist es, den starken Einfluss der destruktiven kulturellen Konditionierungen auf unser Handeln und Verhalten zu erkennen und ihn in positivem und konstruktivem Sinne umzuwandeln. Das Europäische Institut für angewandte Ethik beschäftigt sich im Bereich Forschung laufend mit Zuständen und Entwicklungen in unserer Gesellschaft als eigenständige Projekte oder auch als Auftragsarbeit.

 

Phänomenologie - von Henry V. Reyna, wissenschaftlicher Leiter des EIFAE

Die oberste Maxime der Phänomenologie ist: „zu den Sachen selbst!“
Damit ist gemeint, das jeweils gegebene (das Phänomen) zu beschreiben und zwar so unvoreingenommen, so genau und so vollständig wie möglich.
 
Phänomenologie ist in diesem Sinne eine wissenschaftliche und philosophische Einstellung und Haltung, die jegliche Denkmuster, Methoden oder ähnliche Voraussetzungen von vornherein ablehnt.
 
Diese Haltung eines „universellen Empirismus“ reicht von der Physik bis zu Physiologie, von der der Literaturwissenschaft bis zur Ethik, von der Völkerkunde bis zur Psychiatrie, von der Religionswissenschaft bis zur Mathematik (Heinrich Herz, Ernst Mach).
Wir können vier verschiedene Stadien und Formen der Phänomenologie unterscheiden:
 
(1)    Die deskriptive Phänomenologie – Phänomene werden unvoreingenommen und schlicht zu beschreiben versucht.
 
(2)    Die eidetische Phänomenologie – die in der Phänomen-Analyse herausgearbeiteten Wesens- und Bedeutungsgehalte mit dem Prinzip der eidetischen Reduktion
 
(3)    Die transzendentale Phänomenologie – die durch die eidetischen Reduktion erarbeiteten Gehalte, erweisen sich als transzendentale Leitfäden für den Rückgang auf die sie konstituierende transzendentale Subjektivität.
 
(4)    Absolute Phänomenologie – um sich nicht in der Bedingtheit eines Subjektivismus zu verlieren (Solipsismus), entwickelt sich als dessen Überwindung eine Phänomenologie, die die Subjektivität zu einem absoluten sinngebenden Grunde hin transzendiert z.B.: von der Materie zum Geist.
 
Edmund Husserl (1859-1938) entwickelte eine Methode, die zwischen Abstraktion und Intuition steht. Dies versteht er unter eidetische Reduktion „sie geht aus von den unmittelbar intuitiv gegeben Phänomenen und versucht nun das wesentliche dadurch heraus zu analysieren, da sie das jeweilig vorgegebene Phänomen in seinen möglichen Formen frei variiert; was sich dann in der Vielfalt der Variationen invariant durchhält, wird als das Wesen angesprochen, seien es objektive Formen oder seien es subjektive Strukturen, etwa Erlebnisweisen, Einstellungen.
Von dieser Phänomenologie leitet sich eine Gruppe von Phänomenologen ab, die vor allem den ethischen und den Wertbereich zum Gegenstand ihrer Analyse machten (Max Scheler, Nikolai Hartmann).
 
Ein Grundkonzept, welches das Werk Husserls durchzieht, ist die Intentionalität des Bewusstseins. Intentionalität charakterisiert die Beziehung des Bewusstseins zu seinem Gegenstand und meint, dass Bewußtsein nie blankes Bewußtsein ist, sondern stets Bewußtsein von etwas. Nur wenn ich Bewußtsein von etwas habe, ist es meinem Bewußtsein zugänglich.
 
Das Bewusstseinserleben ist seinem Wesen nach in dauerndem Fluss. In diesem Bewusstseinsstrom ist Erleben stets „Erleben von etwas“ und die Aufmerksamkeit ist stets auf dieses Etwas gerichtet und nicht auf das Erleben selbst. [1]
Im Verlauf seiner Arbeit entwickelt Husserl durch Anregung von Alfred Schütz die Lebensweltanalyse und erhebt die Lebenswelt zur Basis aller Wissenschaften. Mit diesem Programm will Husserl die herkömmlichen Wissenschaften von einem irreführenden Selbstverständnis, von irreführenden Methoden befreien und dadurch wieder zur Frage nach dem Sinn unseres Daseins führen. Er fordert die Wissenschaften auf, sich jenen Fragen zu stellen, die „für ein echtes Menschentum die entscheidenden sind“.
(Husserl, 1954:4) „In unserer Lebenswelt – so hören wir – hat diese Wissenschaft uns nichts zu sagen. Gerade die Fragen schließt sie prinzipiell aus, die für den in unseligen Zeiten den schicksalsvollsten Umwälzungen preisgegebenen Menschen die brennende sind:
Die Frage nach Sinn oder Sinnlosigkeit dieses ganzen menschlichen Daseins.“
 
Husserls erkennt als erster, das die neuzeitlichen Wissenschaften sich anmaßen, die „objektive Wirklichkeit“ zu präsentieren. Er erkennt, dass der Welt mittels geometrischer und naturwissenschaftlicher Mathematisierung ein Ideenkleid angemessen wird, welche das wirkliche erleben der konkret lebenden Menschen der Lebenswelt in Zahlen – Indizierungen erstickt werden.
(Husserl 1954:52) „Das Ideenkleid macht es, das wir für „wahres Sein“ nehmen, was eine konstruierte Methode ist“. Er fordert daher eine phänomenologische Analyse der Lebenswelt.
Hier tritt Husserl vor allem dafür ein, endlich zu erkennen, dass körperliches und seelisches Wesensverschieden sind und müssen daher auch mit verschiedenen ihrem Wesen angepassten Methoden erforscht werden. Die Krise der Wissenschaften liegt daher im fehlenden Bewußtsein des Wissenschaftlers und deren nicht Verankerung in der Lebenswelt. Die ernsthaften Konsequenzen dieses fehlenden Bewusstseins führen zu einem unvollständigen Verständnis von „Wirklichkeit, Wahrheit und Methode“. [2]
 
Durch die Hinwendung zur Lebenswelt, dessen zentralen Mittelpunkt die menschliche Existenz ist, kommt der Hermeneutik als Methode eine wesentliche Bedeutung zu.
Der Mensch ist in seinem Dasein, in seiner Bedeutung und seinem geistigen Gehalt nur durch eine hermeneutische Phänomenologie erfassbar.
Der geistige Gehalt des Menschen soll zum Ausdruck gebracht werden sprachlich, schriftlich, durch Kunst oder irgendeinem schöpferischen Werk.
 
Das wichtigste Werk ist der Mensch selbst und findet sein höchstes Ziel in der Selbstverwirklichung, wie Paramahansa Yogananda es lehrte.
 
Heidegger greift das Phänomen „der Mensch in seiner Existenz“ und stellt sich der Herausforderung, die Frage nach dem Sinn vom Sein näher zu beleuchten. In seinem Werk „Sein und Zeit“ 1927 erfasst Heidegger die Thematik und hinterlässt uns, dass Sinn sich nur dann ergibt, wenn das Wesen ins Dasein überführt werden kann, wenn es in die Existenz gebracht wird.
Da sich Sinn, vom indogermanischen Sent ableitet und soviel bedeutet wie „unterwegs sein oder auf Reisen sein“. Die Qualität der eigenen Existenz zeigt sich darin, inwieweit es uns gelungen ist, unser Wesen, unseren geistigen Gehalt, ins Dasein zu bringen.
Auf diesen Grundlagen ist die Wesens- und Daseinsanalyse entstanden.
 
Wie bereits erwähnt, ist die phänomenologische Hermeneutik die maßgebende Methode.
Sie lehrt uns, die Unterschiede zwischen Laut und Bedeutung, zwischen Buchstabe und Geist, Zeichen und Sinn, Symbol und Gehalt, Ausdruck und Gemeintes, Symptom und Verborgenes, Handlung und Motiv. Phänomenologie bedeutet daher ursprünglich eine neutrale hermeneutische Auslegung der Phänomene, die uns begegnen außerhalb und innerhalb von uns.

 

[1] Genau hier setzen die östlichen Lehren ein, denn sie lehren uns unsere Aufmerksamkeit auf das „Innen“ zu richten.
 
[2] Siehe hierzu die Analysen von Morris Bermann – Wiederverzauberung der Welt – am Ende des newtonischen Zeitalters